Infektionsrisiko Floh

Hund kratzt sich am OhrFlöhe  – wer sie hat, wird sie so schnell nicht los

Flöhe sind ganz besondere Parasiten in der Kulturgeschichte der Menschheit. Zweifelhafte Berühmtheit haben sie im Mittelalter als Überträger des Pestbakteriums erlangt, waren Begleiter des berühmten Gletschermanns Ötzi, konnten den Zirkus erobern, Rekorde im Weitsprung aufstellen oder Namensgeber für Märkte sein – weil beim Warenkauf auch der ein oder andere Floh über den Tisch ging. Für unsere Haustiere sind sie auch heute noch häufige Quälgeister.

Flöhe sind kleine Insekten mit einer Durchschnittsgröße von wenigen Millimetern, die weltweit mit über 2.400 Arten vorkommen. Wer sie richtig bekämpfen möchte, muss jedoch mehr über diese Ektoparasiten wissen: Ein erwachsener weiblicher Floh lebt rund drei Wochen, in denen er täglich etwa 20 Eier legt. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich verpuppen. Im Kokon reift die Nymphe und schließlich der erwachsene Floh heran. Verpuppt kann der Floh über Monate im häuslichen Umfeld ruhen, ehe er sich wieder einen Wirt sucht.

Flöhe ernähren sich als ausgewachsene Tiere ausschließlich vom Blut ihrer Wirte. Zu ihrer Beute gehören fast immer Säugetiere – auch der Mensch. Manche Flohart hat eine Vorliebe für Vögel entwickelt. Schon lange bevor es Menschen gab, haben Flöhe erfolgreich als Parasiten vom Blut ihrer Wirtstiere gelebt.

Gut zu erkennen: Das kräftige hintere Beinpaar des Flohs, mit dem er weite Sprünge vollbringt.

Flöhe – wo sie vorkommen, wie sie leben

Flöhe besitzen einen charakteristischen, seitlich abgeflachten Körperbau und stechend-saugende Mundwerkzeuge. Flügel haben Flöhe nicht. Zum charakteristischen Aussehen gehört als weiteres besonderes Kennzeichen das kräftige dritte Beinpaar, das als Sprungbein dient. Damit sind sie in der Lage, mit einem Sprung das 150-fache ihrer Körperlänge zu überwinden. Das ist als würde ein Mensch mit einem Satz auf den Eiffelturm springen. Für den Floh eine hilfreiche, wenn auch Kräfte zehrende Eigenschaft, um auf einen Wirt aufzuspringen.

Flöhe haben schon die Dinosaurier gepiesackt

Flöhe sind eine sehr alte Insektenordnung, wie versteinerte Fossilien aus der Kreide- und Jurazeit (vor ca. 165 Millionen Jahre) belegen. Im Baltischen Bernstein gefundene Exemplare – Alter ca. 65 Millionen Jahre – gleichen in Aufbau und Eigenschaften bereits den heutigen Flöhen, die bei Haustieren und Menschen vorkommen. Dass auch Dinosaurier vor lästigen Flöhen nicht sicher waren, konnten vor wenigen Jahren chinesische Wissenschaftler zeigen. Die Forscher stießen bei Ausgrabungen auf versteinerte Fossilien von Urzeitflöhen, die sich der Studie zufolge auf Flugsaurier spezialisiert hatten und mit ca. 2,5 cm Größe wahre Urzeitriesen unter den Flöhen darstellen.

Bleibt der Floh auf seinem Wirt?

Obwohl Flöhe meist mit dem Namen ihres jeweils liebsten Wirtstiers belegt werden (Hundefloh, Katzenfloh, Menschenfloh, Rattenfloh, Hühnerfloh usw.), besitzen sie keine unbedingte Wirtspezifität. Sie können daher vom Tier auch auf den Menschen überspringen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Rattenfloh, der nach dem Tod seines eigentlichen Wirtstiers gerne den Menschen als Ersatz nahm und so die Pest – den „Schwarzen Tod“ – herbeiführte.

Von den etwa 70 Floharten, die in Mitteleuropa vorkommen, zählt der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) zu den häufigsten Floharten. Er befällt Katzen und Hunde gleichermaßen. Etwas seltener ist der Hundefloh (Ctenocephalides canis).

Gibt es eine Flohsaison?

Eine richtige Flohsaison gibt es in unseren Breiten eigentlich nicht, denn in Wohnungen oder Behausungen können die Lästlinge ganzjährig überleben und sich entsprechend vermehren. In den wärmeren Monaten steigt das Risiko, dass sich Haustiere bei Artgenossen Flöhe einfangen. Grundsätzlich ist ein Flohbefall das ganze Jahr über möglich.

Aus dem Leben eines Flohs

Innerhalb eines Flohlebens, das normalerweise bis zu drei Monate dauert, legen erwachsene Flohweibchen täglich etwa 20 Eier auf ihrem Wirt ab. Voraussetzung für die Eiablage ist die Blutmahlzeit: Diese erfolgt mehrmals täglich (4-8 x) und dauert nur einige Minuten. Die Eier fallen aus dem Haarkleid und werden somit in der Umgebung verteilt. Insgesamt kommen so beträchtliche Zahlen von hunderten bis tausenden potentiellen Nachkommen zustande. Nicht nur die weiblichen Flöhe saugen Blut, auch die Männchen sind keine Kostverächter. Die Weibchen brauchen vor allem die festen und energieliefernden Blutbestandteile (Blutkörperchen), um sie für die Eiablage zu nutzen, und geben die flüssigen Blutbestandteile (Serum) direkt beim Saugakt durch den Darm wieder ab. Diese „Blutspuren“ sind als braun-schwarze Krümel im Fell sichtbar und ein sicheres Indiz für einen Flohbefall. Als Nachweis eignet sich ein feuchtes Küchentuch: der krümelige Flohkot zeigt bei Kontakt mit Feuchtigkeit rötliche Schlieren.

Die meisten Entwicklungsstadien des Flohs finden sich da, wo sich das Tier am meisten aufhält, z.B. im Körbchen oder auf dem Sofa. Zwar werden die Floheier auf dem Tier abgelegt, sie gleiten aber vom Fell ab und entwickeln sich in der Umgebung weiter. Nach etwa einer Woche schlüpfen aus den Eiern augen- und fußlose Larven, die sich hauptsächlich von zerfallenen organischen Substanzen am Boden ernähren. Da sich die Larven um Stofffasern wickeln können, sind sie auch durch Staubsaugen nicht leicht zu entfernen. Im näheren Umfeld des Wirtstiers wachsen die Larven heran, häuten sich dreimal bis das letzte Larvenstadium sich einspinnt und eine Puppe ausbildet, in der die vollständige Verwandlung zum eigentlichen Floh stattfindet. Unter natürlichen Verhältnissen kann der Zyklus wenige Wochen bis mehrere Monate dauern. Die Puppen sind äußerst widerstandsfähig und daher am schwersten zu bekämpfen.

Da sich 95 Prozent der Flohpopulation (Eier, Larven, Puppen) auf dem Boden, auf Teppichen, Sofas, Decken oder im Auto befinden, muss bei einem Flohbefall auch die Umgebung des Tieres aufwändig gereinigt oder mitbehandelt werden. Um dem Tier und sich selbst die Prozeduren zu ersparen, kann eine regelmäßige Prophylaxe über das ganze Jahr sinnvoll sein. Für Hund und Katze gibt es dafür unterschiedliche Mittel.

Auch wenn ein Befall vorliegt, reicht es nicht aus, die Flöhe einmalig auf dem Tier zu bekämpfen. Zwar wird man die sichtbaren Exemplare auf dem Tier für eine Weile los, doch gelingt es einem kaum, die verbliebenen Puppen im Umfeld des Tiers zu beseitigen. Um den Entwicklungszyklus dauerhaft zu unterbrechen, sollte eine Behandlung mit Antiparasitika mindestens einen Zeitraum von drei bis vier Monaten abdecken.1

Mögliche Folgen eines Flohstichs

Flöhe sind nicht nur lästig, sondern können für Haustier und Herrchen zum gesundheitlichen Problem werden. Der Gurkenkernbandwurm findet z.B. über das Verschlucken eines infizierten Flohs ein neues Zuhause in der Katze oder im Hund. Zudem können Flohstiche starken Juckreiz, Rötungen und Papeln auf der Haut verursachen. Durch Kratzen und Scheuern kommt es zu Hautschädigungen und Hautentzündungen. Wiederholte Stiche können eine Floh-Allergie-Dermatitis (FAD) hervorrufen. Die FAD ist eine der häufigsten Hauterkrankungen und die häufigste Allergie bei Hunden und Katzen.

Literatur
1. Halos et al., Trends in Parasitology, May 214, Vol. 30, No. 5

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