Hundekrankheiten durch Zeckenstich

Zecken-übertragene Erkrankungen: Gefahren für Hunde

Alles nur Panikmache oder doch ein unterschätztes Risiko? Wie kommt es, dass immer häufiger von Zecken-übertragenen Krankheiten bei Hunden die Rede ist? Welche Gefahren lauern tatsächlich auf unsere Vierbeiner in Deutschland und Europa? Und wie kann ich eine Krankheit bei meinem Hund erkennen?

Hunde werden nicht nur deutlich häufiger von Zecken befallen als Menschen, auf sie lauern auch weitere Gefahren. Neben der häufigen (Lyme-) Borreliose und der selteneren Viruserkrankung FSME gibt es noch andere Bakterien (Anaplasmose) und Einzeller (Babesiose), die Hunde krank machen können. Die Verbreitung der von Zecken übertragenen Erreger ist regional unterschiedlich, weshalb sich Hundehalter vor einer Reise mit ihrem Hund über das jeweilige Zeckenrisiko am Zielort unbedingt informieren sollten. Das gilt für Reisen im In- wie im Ausland.

Mattigkeit kann beim Hund Anzeichen einer Borreliose sein.

Machen Zecken Hunde heute häufiger krank?

Nach wie vor werden Zecken übertragene Erkrankungen in ihrer Häufigkeit und Bedeutung als Hundekrankheit unterschätzt. Dabei entsteht oft der falsche Eindruck, dass es diese gesundheitlichen Gefahren früher überhaupt nicht gab. Das ist nicht der Fall! Das angewachsene Wissen über Erreger-Vorkommen, verbesserte Diagnoseverfahren und eine allgemein bessere Versorgungslage der Haustiere rücken diese Krankheiten allerdings stärker ins öffentliche Bewusstsein. Auf der anderen Seite sorgen Klimawandel, Mobilität und der Handel mit Haustieren tatsächlich für eine Ausbreitung anderer Zeckenarten – und damit auch Erreger.

Grundsätzlich gilt: nicht jeder Zeckenstich bzw. Zeckenbiss macht krank. Zum einen muss die Zecke etwa 16 bis 24 Stunden Blut saugen, damit sie einige Keime übertragen kann. Zum anderen heißt es nicht automatisch, dass eine Krankheit ausbricht, wenn eine Zecke den Hund infiziert hat. Mediziner unterscheiden zwischen einer Infektion und einer klinisch feststellbaren Krankheit.

Das heißt: Von den Hunden, die mit einem Erreger in Kontakt kommen und dadurch spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) bilden, erkrankt nur ein Teil. Warum bei einigen Hunden eine Infektion symptomlos verläuft, andere wiederum schwer erkranken, ist nicht geklärt. Lediglich die Symptome sollten eine Behandlung veranlassen. Wie häufig die Krankheiten im Einzelnen sind, kann nur geschätzt werden, da es beim Hund keine Meldepflicht gibt – anders als z.B. für die FSME beim Menschen.

Die wichtigsten Krankheiten nach ihrer Bedeutung für Hunde in Deutschland

Borreliose Bakterien
Erreger der Borreliose

Die Borreliose – eine häufige und schleichende Hundekrankheit

In nördlichen Breiten ist die Borreliose bzw. Lyme-Borreliose die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit beim Hund. Sie wird durch spiralförmige Bakterien ausgelöst – den Borrelien. Im Durchschnitt trägt etwa jede dritte Zecke Borreliose-Bakterien in sich und das flächendeckend überall da, wo Zecken vorkommen. Gebietsweise schwankt dieser Wert zwischen fünf und 50 Prozent, so dass die Gefahr lokal sehr unterschiedlich sein kann.

Je nach Region haben entsprechend fünf bis 20 Prozent aller Hunde in Deutschland Abwehrstoffe gegen Borrelien im Blut. Das bedeutet, sie sind bereits durch eine Zecke mit den Bakterien infiziert worden. Früher ging man davon aus, dass etwa fünf Prozent der infizierten Tiere Krankheitssymptome entwickeln. Inzwischen weiß man durch verschiedene Studien, dass deutlich mehr Hunde zumindest zeitweise Symptome aufweisen – Schätzungen zufolge bis zu ein Drittel der Infizierten. Damit ist die Borreliose eine weit verbreitete Hundekrankheit.

Infografik: Borreliose bei Zecken
Borrelien sitzen im Darm der Zecke und werden nach etwa 16-24 Stunden in den Körper gespült.

Wie bei anderen Krankheitserregern gibt es bei der Borreliose verschiedene Unterarten, von denen nicht alle dem Hund gefährlich werden können. Die wichtigsten Vertreter sind Borrelia burgdorferi sensu stricto, Borrelia afzelii und Borrelia garinii. Gegen diese drei ist ein Impfschutz beim Hund möglich. Die Borrelien sitzen im Darm der Zecke. Strömt Blut ein, durchdringen sie die Darmwand und wandern in die Speicheldrüse, von wo aus sie an den Hund abgegeben werden. Dieser Prozess dauert 16-24 Stunden. Nach dem Zeckenstich breiten sich die Bakterien allmählich über den Blutkreislauf im Körper des Hundes aus und können vor allem die Gelenke, in einzelnen Fällen auch Organe und das Nervensystem befallen.

Das Immunsystem reagiert im Vergleich zu anderen bakteriellen Erkrankungen spät auf die eindringenden Borrelien. Meist treten erste unspezifische Symptome erst 4-6 Wochen nach dem Zeckenstich auf. Der betroffene Hund ist dann matt, appetitlos und hat Fieber bis 40,5°C. Beim Menschen bildet sich zwar in 90 Prozent der Fälle um die Einstichstelle die typische, sich ringförmig ausbreitende Hautrötung (Wanderröte). Dieses eindeutige Symptom fehlt beim Hund in der Regel oder ist durch das Fell verdeckt. Deshalb wird die Erkrankung oft erst in einer späteren Phase erkannt.

Bei einigen Hunden gelingt es dem Immunsystem nicht, den Erreger ganz zu beseitigen, so dass ein zweiter Krankheitsschub – nach Wochen bis Monaten – schmerzhafte Entzündungen der Gelenke mit sich bringt. Meist sind verschiedene Gelenke wechselnd betroffen, vor allem die Gelenke an den Vorder- und Hinterbeinen. Typisches Symptom: der Hund lahmt, vor allem nach dem Aufstehen. Weitere Symptome sind Fieberschübe, Appetitlosigkeit und Muskelschmerzen. In einzelnen Fällen wurden Schädigungen des Herzens und der Nieren bis zum tödlichen Nierenversagen beobachtet. Von Letzterem sind insbesondere Berner Sennenhunde und Golden Retriever betroffen.

Eine Therapie sollte so früh wie möglich einsetzen. Wer entsprechende Symptome an seinem Hund feststellt, kann beim Tierarzt einen Schnelltest veranlassen. Neuere, so genannte C6-Antikörpertests unterscheiden zwischen einer akuten Infektion und einem Antikörperspiegel durch eine Impfung. Bestätigt sich der Verdacht, wird dem kranken Hund in der Regel über vier Wochen ein geeignetes Antibiotikum verabreicht. Verläuft die Krankheit schleichend oder ist schon weiter fortgeschritten, ist die Behandlung jedoch nicht immer erfolgreich. Spätschäden und chronisch wiederkehrende Beschwerden sind möglich.

Deshalb rät die Ständige Impfkommission für Tiermedizin (StIKo Vet.) dazu, Zecken zeitnah zu entfernen, Zeckenschutzmittel einzusetzen, und gefährdete Hunde gegen Borreliose impfen zu lassen.

Anaplasmose Erreger
Erreger der Anaplasmose

Die Anaplasmose – weit verbreitet und wenig beachtet

Die Anaplasmose kommt in ganz Europa, Asien und Nordamerika vor. In Deutschland wird sie, wie die Borreliose, vom Gemeinen Holzbock übertragen. Anaplasmen sind Bakterien, die bestimmte weiße Blutkörperchen des Hundes befallen. Hierzulande ist Anaplasma phagocytophilum für eine Erkrankung verantwortlich. Zwischen 1 und 9 Prozent der Zecken tragen den Erreger in sich. Im südlichen Europa kommt die zweite Erregerart Anaplasma platys hinzu, die von der Braunen Hundezecke übertragen wird. Hier werden auch höhere Durchseuchungsraten in Zecken festgestellt.

Der Anteil der Hunde, die sich mit dem Erreger infizieren, ist hoch. Einige Studien weisen darauf hin, dass dies bei jedem zweiten bis fünften Hund der Fall ist. Richtig krank werden aber nur wenige Hunde, wobei bei einem milden Verlauf häufig auch keine Diagnose erfolgt. Die anfänglichen Symptome der Krankheit beim Hund ähneln einer Borreliose: Abgeschlagenheit, Fressunlust, Gelenkentzündungen und Lahmheit. Seltener sind eine Störung der Blutgerinnung und Schleimhautblutungen. Eine Parallelinfektion mit beiden Krankheiten ist möglich und führt zu einer Verstärkung des Krankheitsbilds.

Der Erreger kann mittels eines speziellen Bluttests nachgewiesen werden. Der Tierarzt verschreibt dem kranken Hund, ebenso wie bei der Borreliose, eine Behandlung mit Antibiotika über mehrere Wochen. Wird die Anaplasmose rechtzeitig erkannt, gehen die Symptome bald zurück. Da es keine Impfung zum Schutz vor der Krankheit beim Hund gibt, kommt der Zeckenentfernung und dem Einsatz von Zeckenschutzmitteln als vorbeugende Maßnahmen besondere Bedeutung zu.

Gemeiner Holzbock auf Grashalm
Überträger der FSME ist der Gemeine Holzbock

Die FSME – eine Viruserkrankung mit schweren Folgen

Das FSME-Virus, Auslöser der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kommt nicht flächendeckend in Deutschland vor. Verbreitet ist es vor allem in den südlichen Bundesländern und in Mittel- und Osteuropa. Besondere Bedeutung hat die Viruserkrankung beim Menschen, weil schwere neurologische Symptome dauerhaft bestehen bleiben können. Nach bisherigem Kenntnisstand ist die FSME beim Hund eher selten. Passiert es aber doch, verläuft die Krankheit schwer und endet häufig mit dem Tod des Tieres bzw. dessen Einschläferung.

Typische Symptome sind neben Fieber und Schwindel Muskelzittern, symmetrische Lähmungserscheinungen und Überstreckungen von Rumpf und Extremitäten. Da es keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit gegen FSME gibt, bleibt der Hund oft für sein restliches Leben beeinträchtigt. Die Therapie beschränkt sich auf die Behandlung der Symptome. Im Gegensatz zum Menschen können Hunde bislang nicht gegen FSME geimpft werden.

In den vom Robert Koch-Institut benannten Risikogebieten sind etwa 1- 5 Prozent der Zecken mit FSME-Viren durchseucht. Gesunde Hunde weisen recht häufig Antikörper gegen FSME auf. Eine Studie der Universität Leipzig untersucht deshalb derzeit, ob sich anhand von Hundedaten ein Erkrankungsrisiko für Menschen genauer bestimmen lässt.

Babesiose Erreger
Erreger der Babesiose

Die Babesiose – unbehandelt tödlich

Erreger der Babesiose kommen weltweit in verschiedenen Zeckenarten vor. In Deutschland ist es vor allem die Auwaldzecke, im Süden Europas auch die Braune Hundezecke, die die krank machenden Einzeller überträgt. Babesien zerstören die roten Blutkörperchen des Hundes. Unbehandelt verläuft eine Babesiose-Erkrankung häufig akut und kann innerhalb weniger Tage tödlich enden. Dadurch, dass der Blutmangel schubweise auftritt, wird die Babesiose auch „Hundemalaria“ genannt.

Früher galt die Babesiose beim Hund ausschließlich als Reisekrankheit. Durch die Ausbreitung der Auwaldzecke steigt jedoch zunehmend das Erkrankungsrisiko für Hunde in Deutschland. Die Durchseuchung der Zecken mit den Einzellern ist mit geschätzten 0,5 Prozent noch relativ gering. Allerdings können Babesiose-Erreger bereits von der Mutterzecke auf die Zeckeneier übergehen. Bei anderen Erregern ist dazu erst eine Blutmahlzeit an infizierten Tieren notwendig.

Etwa 1-3 Wochen nach einer Infektion durch Zeckenstich setzt beim Hund hohes Fieber ein (bis zu 42°C), der Urin verfärbt sich dunkel. Übersteht der Babesiose-kranke Hund die ersten starken Fieberschübe, folgen Mattigkeit, Appetitlosigkeit und häufig Gelbsucht. Weitere Symptome sind blasse Schleimhäute, niedriger Blutdruck und Milzvergrößerung. In manchen Fällen führt die Babesiose zu einer systemischen Entzündungsreaktion und zum Multiorganversagen. Treten entsprechende Symptome auf, ist umgehend ein Tierarzt aufzusuchen. Dieser behandelt den kranken Hund dann mit Antiprotozoika.

Abbildung einer Braunen Hundezecke
Die Braune Hundezecke – häufig Überträger der Ehrlichiose

Die Ehrlichiose – ein Risiko am Mittelmeer

Die Ehrlichiose wird vor allem von der Braunen Hundezecke übertragen. Das Verbreitungsgebiet der Zeckenart bestimmt auch das Vorkommen der Hundekrankheit. Dieses liegt hauptsächlich am Mittelmeer und anderen warmen Regionen der Welt. Gefährdet sind vor allem Hunde, die mit ihren Besitzern ins südliche Europa reisen oder von dort sogar Vertreter dieser Zeckenart mit einschleppen. Auch importierte Hunde können mit Ehrlichiose-Bakterien infiziert sein.

Auslöser der Hundekrankheit sind ebenfalls Bakterien (Ehrlichia canis). Sie befallen die weißen Blutkörperchen und können schwerwiegende Krankheitsbilder auslösen. Man unterscheidet hier zwischen einer akuten und einer chronischen Krankheitsphase. Letztere ist schwer zu behandeln. Symptome einer akuten Infektion beginnen in der Regel etwa 10 Tage nach Ansteckung mit Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit, Schwellungen der Lymphknoten und eventuell Muskelzuckungen. In Bluttest fällt eine Verminderung der Blutplättchen und der weißen Blutkörperchen auf. Auch diese Infektionskrankheit macht eine intensive Therapie mit Antibiotika notwendig.

Die meisten Hunde erholen sich zwar mit einer adäquaten Therapie, doch sollten Hundebesitzer auf Reisen unbedingt ein gutes Zeckenschutzmittel bei ihrem Vierbeiner anwenden. Der Wirkstoff Fipronil hat sich in einer Studie in zwei Verbreitungsgebieten des Erregers in Afrika als verlässliches Mittel zum Schutz vor einer Ehrlichiose-Infektion erwiesen.

Beim Blutsaugen können Zecken gefährliche Krankheiten auf Mensch und Tier übertragen.

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