Krankheiten beim Pferd

Zecken sind ein gesundheitliches Risiko – auch für Pferde

Hiesige Zecken sind als blutsaugende Lauerjäger nicht wählerisch bei der Auswahl ihres Opfers. Kommt ein warmblütiges Tier vorbei, krallen sie sich fest. Pferde können selbst im Galopp oder auf ihrer Pferdeweide leicht einen dieser Parasiten abstreifen. Der Zeckenstich bleibt oft unbemerkt, führt aber mitunter zu ernsthaften Krankheiten wie der Borreliose. Vor ihr kann seit Kurzem eine Borreliose-Impfung das Pferd schützen.

Ein Zeckenstich oder umgangssprachlich Zeckenbiss beim Pferd ist schnell geschehen: Beim Weiden auf einer umwaldeten Koppel, beim Sprengen durch das Unterholz oder im Schritt über eine dicht bewachsene Wiese. Die kleinen Blutsauger greifen gerne zu. Denn sie sind auf eine Blutmahlzeit für ihre Weiterentwicklung angewiesen. Aufgrund der großen Fläche, die das Pferdefell bietet, bleibt ein Stich oft unbemerkt – nicht aber die Folgen dieses Stichs!

Der Gemeine Holzbock kann auch für Pferde zur Gefahr werden.

Lahmen, humpeln, entzündete Gelenke – dies sind nur einige der Anzeichen, die auf eine Borreliose beim Pferd hindeuten können. Zwar gehen Experten davon aus, dass bei Pferden die Borreliose in vielen Fällen symptomlos verläuft, jedoch ist die Erkrankung beim Pferd bislang nach wie vor wenig erforscht. Und: immer wieder gibt es Berichte über schwere Krankheitsverläufe bei Pferden. Eine fortgeschrittene Borreliose kann auch Gehirn und Rückenmark befallen.

Beim Grasen auf der Wiese sind Zeckenangriffe aufs Pferd möglich.

Borreliose beim Pferd: schwer zu erkennen!

Zu Beginn der Krankheit geht das Pferd erst steif und wiederstrebend, später lahmt es, seine Gelenke entzünden sich und schwellen an. Welche Gelenke dabei betroffen sind, ist unterschiedlich. Eine bereits fortgeschrittene Borreliose kann in sehr seltenen Fällen das Zentralnervensystem angreifen. Dies zeigt sich, indem das Tier seinen Kopf die meiste Zeit schief hält. Seine Koordination ist gestört, es leidet unter Schluckschwierigkeiten. Auch Muskelschäden sind möglich. Weiterhin können Leistungsabfall, Fieber und Antriebslosigkeit Symptome einer Borreliose sein. Das kranke Pferd verliert außerdem seinen Appetit und magert ab. In Einzelfällen wird auch von Tod durch Borreliose in der Presse berichtet.

Hauptüberträger von Borreliose-Bakterien in Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Im Schnitt ist hierzulande ein Drittel der Zecken mit Borreliose-Bakterien infiziert. Antikörper gegen Borrelien werden daher relativ häufig bei 16 bis 30 Prozent der Pferde festgestellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es auch zum Ausbruch der Krankheit kommen muss. Nur ein kleiner Teil der infizierten Tiere entwickelt tatsächlich Symptome. Diese sind anfangs oft unspezifisch, weshalb eine Diagnose schwierig ist. Die beim Menschen sichtbare, typische Wanderröte wird beim Pferd wegen des Fells meist nicht bemerkt. Die eigentliche Krankheit kann Tage, aber auch Monate nach der Infektion ausbrechen. Behandelt wird mit einem Antibiotikum über mehrere Wochen. Seit Kurzem ist zudem eine Borreliose-Impfung für Pferde erhältlich.

So funktioniert die Borreliose-Impfung beim Pferd

Pferde können vor den wichtigsten Bakterienstämmen in Deutschland mit einer Impfung geschützt werden. Durch die Borreliose-Impfung bildet das Immunsystem des Pferdes spezifische Abwehrstoffe. Sie blockieren die Übertragung der krank machenden Borrelien bereits in der Zecke. Denn saugt die Zecke am Pferd Blut, gelangen die Antikörper aus dem Pferd in den Zeckendarm und binden die dort befindlichen Bakterien. Ein besonderer Wirkmechanismus, der dafür sorgt, dass die Borrelien nicht von der Zecke auf das Pferd übergehen. Die Impfung wurde umfangreich getestet und ist gut verträglich. Eine Grundimmunisierung wird durch zwei Injektionen im Abstand von zwei bis drei Wochen erreicht. Eine Auffrischungsimpfung sollte dann jährlich erfolgen, idealerweise vor Beginn der Zeckensaison.

Selten, aber bedrohlich: FSME beim Pferd

Neben der Borreliose können Zecken auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME) auf Pferde übertragen. FSME-Viren sind vor allem in Süddeutschland verbreitet. Zwischen einem und fünf Prozent der Zecken tragen den Erreger hier in sich. Während beim Menschen jedes Jahr etwa 300 bis 500 Fälle der gefährlichen Viruserkrankung auftreten, ist FSME bei Pferden vergleichsweise selten. Bricht die Krankheit aus, verläuft sie jedoch meist schwer und endet häufig mit dem Tod des Tieres bzw. dessen Einschläferung. Neben Fieber, Fressunlust, Schreckhaftigkeit und Zähneknirschen wurden starke neurologische Störungen bis hin zu Krampfanfällen beobachtet. Im Gegensatz zum Menschen gibt es bislang keine Impfung gegen FSME für Pferde. Aus diesem Grund beschränkt sich die Therapie auf die Behandlung der Symptome. Eine ursächliche Bekämpfung der Viren ist nicht möglich.

Pferde können sich durch Zecken auch mit Anaplasmose anstecken. Wie bei der Borreliose lösen Anaplasmose-Bakterien unspezifische Symptome aus: Fieber, Antriebslosigkeit, geschwollene Lymphknoten und eine gelbliche Verfärbung der Schleimhäute. Der Tierarzt stellt die Diagnose aufgrund eines Bluttests. Eine Anaplasmose kann dann mit Antibiotika behandelt werden. Auch eine kombinierte Infektion mit Anaplasmose und Borreliose wird beim Pferd immer wieder als krank machende Möglichkeit diskutiert.

Was können Pferdehalter zum Schutz Ihres Tiers tun?

Infokasten: Zecken beim Pferd immer schnell entfernen.Neben der Borreliose-Impfung besteht der beste Zeckenschutz für Pferde derzeit darin, Zeckenstiche zu vermeiden. Reiter sollten dazu möglichst auf den Waldwegen bleiben und Wiesen an schattigen Plätzen oder in der Nähe von Bächen und Seen meiden. Ebenso hilfreich ist es, das Gras am Rande der Pferdeweide kurz zu halten. Trockene Umgebungsverhältnisse machen es den Zecken ungemütlich.

Da es für Pferde keine wirksamen Präparate zur Zeckenabwehr gibt, sollte der Reiter nach einem Ausritt ins Grüne nicht nur sich selbst, sondern auch das Pferd gründlich nach Zecken absuchen. Zecken können sich grundsätzlich überall festsaugen, stechen Pferde aber mit Vorliebe an schwach behaarten, dünnhäutigen Körperstellen. Wer eine Zecke frühzeitig am Pferd entdeckt und entfernt, kann damit einer Infektion mit einigen Erregern vorbeugen. Denn: die meisten von ihnen brauchen etwa 24 Stunden, um vom Zeckendarm in den Blutkreislauf des Pferdes zu gelangen.

Zecken lassen sich am besten mit einer Zeckenzange oder spitzen Pinzette entfernen. Dazu fasst man die Zecke direkt an der Hautoberfläche und zieht, dreht oder hebelt sie langsam heraus. Dabei sollte man sie möglichst nicht quetschen. Wenn Teile der Mundwerkzeuge der Zecke stecken bleiben, ist dies in der Regel kein Problem. Der Körper stößt die verbliebenen Reste allmählich wieder ab.

Zeigt das Pferd nach einem Zeckenstich Veränderungen an der Haut oder Symptome einer möglichen Infektion, sollten Halter einen Tierarzt aufsuchen. Je früher eine gezielte Behandlung beginnt, desto besser sind die Genesungschancen.

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