Parasitenwissen auf einen Blick

6 Fragen zum Parasitenschutz bei Haustieren in Familien

Studien zeigen, dass sich Haustiere positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken. Gerade bei Kindern werden Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme und soziale Kompetenz durch Tiere spielerisch gefördert.1

Bei dem Kontakt zwischen Mensch und Tier können aber auch Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden und Infektionen auslösen – sogenannte Zoonosen. Auslöser sind neben Viren, Bakterien und Pilzen auch Parasiten.

Es gibt zahlreiche Infektionsquellen, insbesondere für Kinder. Sandkästen auf Spielplätzen können durch den Kot von unbehandelten, wurmbefallenen Hunden oder Katzen verunreinigt sein. Tierparasiten können auch direkt mit dem Haustier oder durch Schmutz an unseren Schuhen in die heimischen vier Wände gelangen.

Das Parasitenportal hat zentrale Fragen des Parasitenschutzes bei Familien für Sie übersichtlich zusammengestellt.

Endoparasiten wie Würmer leben im Inneren des Körpers von Hunden und Katzen, Ektoparasiten wie Zecken , Flöhe und Milben auf deren Körperoberfläche. Manche dieser Parasiten können auf den Menschen übergehen.

Für Haustierbesitzer sind verschiedene Spul-, Haken- und Bandwürmer relevant. Ein Wurmbefall kann beim Menschen zur Schädigung von Organen und Geweben führen.

Flohstiche verursachen auch beim Menschen Hautreizungen, Juckreiz und allergische Reaktionen. Außerdem kann der Floh den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) und die Erreger der „Katzenkratzkrankheit“ (Bartonellose) auf den Menschen übertragen.

Zecken sind bei Mensch und Tier Überträger von Borreliose-Bakterien, FSME-Viren (Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis) und zahlreichen anderen krankmachenden Mikroorganismen.

Neben Würmern, Zecken und Flöhen können auch Milben, Hautpilze, Toxoplasmen oder Giardien vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Erfahren Sie mehr zu diesen Parasiten beim europäischen Expertengremium ESCCAP.

Am häufigsten bei Hunden und Katzen sind Spulwürmer.  Auch Menschen können sich als Fehlwirte mit Hunde- und Katzenspulwürmern infizieren. Eine solche Infektion („Toxocarose“) kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, insbesondere, wenn sie unerkannt bleibt.

Daneben gibt es Haken- und Peitschenwürmer sowie Bandwürmer, die den Magen-Darm-Trakt von Hunden und Katzen befallen können. Zu den Bandwürmern gehört auch der seltene, aber für den Menschen hochgefährliche Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis).

Lungenwürmer bei Hunden und Katzen haben in den letzten Jahren deutlich an Relevanz gewonnen. Im Freien aktive Tiere sind hier besonders gefährdet. Nur eine Lungenwurmart kann in seltenen Fällen auch den Menschen infizieren.

Infiziert sich der Mensch mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), kann es zu einer „alveolären Echinokokkose“ mit Zystenbildung in der Leber und anderen Organen kommen. Echinokokkosen sind sehr selten, allerdings auch sehr schwerwiegend.

Der Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis kommt in Deutschland vor allem in ländlichen Regionen der südlichen Bundesländer vor. Im Durchschnitt erfasst das Robert Koch-Institut jährlich etwa 25 Erkrankungen mit dem Fuchsbandwurm in Deutschland.2 Hunde und Katzen infizieren sich, indem sie Beutetiere fressen (z.B. Mäuse), die Zwischenwirte des Wurms sind. Haustiere, die Beutetiere fressen, sollten daher monatlich gegen Bandwürmer behandelt werden.

Der Kleine Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) ist in Deutschland extrem selten und hauptsächlich im Mittelmeerraum beheimatet.

Der Mensch ist für Hunde- und Katzenspulwürmer ein sogenannter Fehlwirt. Die Larven können ihre Entwicklung nicht vollenden, jedoch im Menschen viele Jahre überleben, wobei sie aktiv wandern und hämatogen oder lymphogen weitertransportiert werden. Nur im definitiven Wirt (Hund, Katze) findet die Entwicklung zum geschlechtsreifen Wurm sowie die Eiablage statt.

Gründliches Händewaschen nach Kontakt mit unbehandelten Tieren, mit Erdboden, Sand oder anderen potenziell kontaminierten Gegenständen, ist wesentlich. Das Problem bei Kindern: sie haben oft noch kein Hygienebewusstsein und keine Vorbehalte, schmutzige Finger in den Mund zu stecken. Daher ist es wichtig, dass Katzen- und Hundebesitzer nach Risikoeinschätzung und Empfehlung des Tierarztes regelmäßige Entwurmungen (oder Kotuntersuchungen) bei ihren Tieren durchführen. Damit schützt man nicht nur sein Kind und das eigene Tier, sondern verhindert auch die weitere Verbreitung zoonotischer Würmer.

Zusätzlich sind folgende Präventionsmaßnahmen sinnvoll:

  • Gründliches Waschen von Nahrungsmitteln vor dem Verzehr.
  • Heißes Abwaschen von Spielsachen, die draußen benutzt wurden. Hier eignet sich auch die Spülmaschine (Programm über 65°C).
  • Tägliches Entsorgen von Hunde- und Katzenkot: Idealerweise über den Hausmüll (nicht kompostieren). Die Haut sollte vor direktem Kontakt mit Tierkot geschützt werden – beispielswiese mithilfe von Handschuhen.
  • Regelmäßiges Reinigen der Utensilien und Lieblingsplätze von Hund und Katze – insbesondere Futter- und Wassernäpfe regelmäßig reinigen und immer frisches Wasser zur Verfügung stellen.
  • Abdecken von Sandkästen im Garten bei Nichtbenutzung/ über Nacht.
  • Möchte man das Infektionsrisiko bei Kleinkindern (oder immunsupprimierten Personen) im Haushalt minimieren, ist eine Entwurmung von Haustieren in monatlichen Abständen empfehlenswert.3 Nur so kann sichergestellt werden, dass eine Ausscheidung von Parasiteneiern unterbunden wird.

 

Das europäische Expertengremium ESCCAP kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass eine Wirksamkeit alternativer Mittel zur Abwehr bzw. Behandlung von Parasiten nicht erwiesen ist. Die Einschätzung bezieht sich vorrangig auf gegen Ektoparasiten gerichtetes Teebaumöl (giftig für Katzen, in hohen Dosen auch für Hund und Mensch), Lavendel, Minze und andere ätherische Öle (Geruchsbelästigung für Haustiere bei nur kurzer bis nicht vorhandener Wirkung), Zwiebel und Knoblauch (beide Lauchgewächse giftig für Hund und Katze) sowie Ultraschall-Halsbänder und Bernsteinketten (keine nachweisbare Wirkung).4

Stiftung Warentest kam 2003 zu einem ähnlichen Ergebnis und vergab für Ultraschall-Halsbänder die Note „mangelhaft“. Beim Einsatz von Hausmitteln wie Leinöl und Zitronella kam es bei den Testreihen zu einem unveränderten Befall durch Zecken.5 Auch die Deutsche Homöopathie-Union bestätigt, dass Homöopathie bei Wurmbefall nicht angezeigt ist. Sie empfiehlt daher eine konventionelle Behandlung.6

Es gibt Wurmkuren für Katzen, die in einer Anwendung Spul- und Bandwürmer sowie Zecken, Flöhe und Milben bekämpfen. Diese Kombipräparate können die Behandlung erleichtern und sorgen für eine umfassende Parasitenkontrolle, die auch den Schutz vor zoonotischen Parasiten mit einschließt. Erfahren Sie mehr.

Die unsichtbare Gefahr: Spulwurmeier in Hunde- oder Katzenkot werden zwar erst ca. 4 Wochen nach Ausscheidung infektiös. Dann sind allerdings die Tierexkremente nicht mehr als solche zu erkennen. Die Wurmeier befinden sich jedoch auf der Erde oder im Gras und können andere Tiere und Menschen infizieren.

Eine Familienangelegenheit | Achtung Parasitenparty

Infoflyer: Welche Gefahren lauern im Sandkasten? Wie Sie Ihre Familie vor Tierparasiten schützen

Literatur
1. Beetz et al. (2012): Psychosocial and Psychophysiological Effects of Human-Animal Interactions: The Possible Role of Oxytocin, Front Psychol. 2012; 3: 234.
2. Ratgeber_Echinokokkose des Robert Koch-Instituts: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Echinokokkose.html#doc2398572bodyText15
3. Ratgeber European Scientific Companion Animal Parasites (ESCCAP, 2018): Wie oft muss ich mein Tier entwurmen? Aktuelle Empfehlungen zum Schutz vor Würmern. Meldung ESCCAP: Kinder und Haustiere – von diesem Miteinander profitieren auch Parasiten, https://www.esccap.de/news/neuigkeiten/kinder-und-haustiere-von-diesem-miteinander-profitieren-auch-parasiten/, letzter Zugriff: 03.05.2019.
4. ESCCAP Pressemitteilung vom 01.02.2019: ESCCAP informiert: Alternative Mittel gegen Zecken und Flöhe – ein unterschätztes Risiko für Katze und Hund.
5. Test der Stiftung Warentest 7/2003: Biest beißt Hund.
6. Deutsche Homöopathie-Union DHU: https://www.dhu-globuli.de/homoeopathie/homoeopathie-fuer-tiere/hunde-katzen/#dem-wurm-auf-die-schliche-kommen