Exotische „Riesenzecke“ in Deutschland: Hyalomma – eine Gefahr für Haustiere?

Diese Meldung hat für Aufsehen gesorgt: Ende Juli hatte sich ein Pferdehalter aus dem Raum Siegen (Nordrhein-Westfalen) durch den Stich einer Hyalomma-Zecke mit Fleckfieber angesteckt.¹ Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

Dieser Fall wirft gerade bei Haustierbesitzern Fragen auf: Wie groß ist die Gefahr in Deutschland durch die exotische Riesenzecke? Woran erkenne ich Hyalomma-Zecken und wie schütze ich mein Haustier? Das Parasitenportal beantwortet die wichtigsten Fragen:

Woran erkenne ich Hyalomma-Zecken?

Hyalomma-Zecken sind bis zu 6,5 mm groß, vollgesogen sogar bis zu 25 mm. Damit sind die Tropenzecken deutlich größer als unsere häufigste, heimische Zeckenart (Gemeiner Holzbock). Charakteristisch sind die deutlich gestreiften Beine.

Wie häufig sind Hyalomma-Zecken in Deutschland?

Hyalomma-Zecken stammen ursprünglich aus Afrika und Asien. Nach Deutschland gelangen einzelne Exemplare der Riesenzecke durch Zugvögel oder importierte Reptilien. Wie schon der Tigermücke und der Braunen Hundezecke, kommt auch der exotischen Zecke die Klimaerwärmung zugute.²

Die Zahl der Hyalomma-Funde in Deutschland ist steigend, aber nicht besorgniserregend: Der Universität Hohenheim wurden im laufenden Jahr 50 Exemplare zugesandt. 2018 waren es 35.2 Ob sich hier ein steigender Trend abzeichnet, werden die kommenden Jahre zeigen.

Wie groß ist die Gefahr durch die Tropenzecke für mein Haustier?

Aufgrund der Seltenheit ist das Gesundheitsrisiko für Haustiere durch Hyalomma-Zecken in Deutschland recht gering. Gefährlich sind besonders die heimischen Zecken. In Deutschland am häufigsten ist der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus. Er überträgt Borreliose-Bakterien und andere gefährliche Erreger. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist ebenfalls in Deutschland heimisch und überträgt Blutparasiten auf Hunde, die die Babesiose („Hundemalaria“) verursachen.

Welche Krankheiten können Hyalomma-Zecken auf Mensch und Tier übertragen?

Hyalomma-Zecken sind in Asien und Afrika als Überträger diverser Viren und Bakterien bekannt. Wie der Fall in Nordrhein-Westfalen zeigt, überträgt die Riesenzecke auch das Fleckfieber. Das Robert Koch-Institut weist allerdings darauf hin, dass das Zecken-Fleckfieber in Deutschland höchst selten ist – die Gefahr einer Ansteckung ist sowohl für Menschen als auch für Haustiere sehr gering.³

Wie schütze ich mein Haustier vor Hyalomma-Zecken?

Bei Hyalomma-Zecken gelten generell vergleichbare Schutzmaßnahmen wie bei anderen Zecken:

  • Suchen Sie Ihr Haustier nach einem Aufenthalt im Freien gründlich ab
  • Entfernen Sie Zecken so schnell wie möglich (z. B. mit einer Zeckenzange)
  • Zecken beim Herausziehen nicht quetschen – es können Erreger in den Stichkanal gedrückt werden
  • Kein Öl, Nagellackentferner, Kleber etc. verwenden
  • Zecken nach Entfernung unschädlich machen: ohne direkten Hautkontakt mit einem festen Gegenstand zerdrücken oder in Alkohol > 40 %, Chlorreiniger oder Desinfektionsmittel werfen
  • Vorsicht: Durch Herunterspülen in der Toilette oder Waschbecken kann ein Abtöten nicht sichergestellt werden

Zeckenschutz durch wirksame und sichere Medikamente

Besonders von heimischen Zecken geht eine Gesundheitsgefahr für Haustiere aus. Daher sollten aktive Hunde und Katzen zusätzlich zu generellen Schutzmaßnahmen mit einem geprüften Zeckenschutzmittel über die gesamte Zeckensaison von ca. März bis November behandelt werden. Vorsicht: Durch Klimaveränderungen können Zecken selbst in milden Wintern aktiv sein.

Flexible Behandlungsmöglichkeiten für Hunde gegen Zecken bieten zum Beispiel allergikerfreundliche Monatspräparate (vegetarisch und glutenfrei), die als Kautablette mit und ohne Futter verabreicht werden können. Diese Präparate behandeln zusätzlich Flöhe und Milben. Es gibt ebenfalls Kautabletten mit integrierter Entwurmung. Diese Präparate sind beim Tierarzt erhältlich, der der richtige Ansprechpartner für eine individuelle Parasitenbehandlung Ihres Hundes ist.

Für Katzen sind Kombinationspräparate besonders geeignet, die mit einer Behandlung möglichst breit gegen Parasiten wirken. Ebenfalls beim Tierarzt erhältlich sind zum Beispiel Spot-on-Behandlungen, die gleichzeitig gegen Zecken, Flöhe und Milben wirken und umfassend gegen Rund- und Bandwürmer entwurmen.

Quick-Facts zur Hyalomma-Zecke

  • Hyalomma-Zecken sind aktive Jäger: Sie können sehen, riechen und jagen ihrem Opfer bis zu hundert Meter hinterher.
  • Der Stich einer Hyalomma-Zecke ist sehr schmerzhaft.
  • Ihren Namen verdanken Hyalomma-Zecken ihren Augen. Diese ähneln stark vergrößert einem Glasauge (Hyalos (gr.): Glas; omma (gr.): Auge).

Kann ich einen Hyalomma-Fund melden?

Wer eine auffallend große und gestreifte Zecke sichtet, kann den Forschern der Universität Hohenheim ein Foto samt Fund-Datum, Adresse des Fundortes und Angabe zum Wirt per Email an folgende Adresse schicken: tropenzecken@uni-hohenheim.de

Wer den Fund postalisch einschicken möchte, kann dies ebenfalls tun. Hier bitte zwingend die Vorsichtsmaßnahmen und Versandratschläge der Universität Hohenheim berücksichtigen.

Literatur
1 https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hyalomma-in-siegen-riesenzecke-infiziert-pferdewirt-mit-fleckfieber-a-1281939.html
2 https://www.scinexx.de/news/medizin/tropenzecke-erste-fleckfieber-uebertragung-deutschland/
3 EpidemiologischesBulletin, Reiseassoziierte Krankheiten 2015 , DOI 10.17886/EpiBull-2016-057

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