Studie: Wie häufig sind Borreliose und Anaplasmose beim Pferd?

Zecken sind unliebsame Gesellen. Sie tauchen aus dem Unterholz auf, krallen sich an Pferd oder Reiter fest, stechen zu und saugen Blut. Und dabei können sie auch noch Krankheiten übertragen. Allen voran die Lyme-Borreliose und die weniger bekannte Anaplasmose. Wie häufig das in Deutschland vorkommt, ist bislang wenig bekannt. Deshalb möchten die Klinik für Pferde der Freien Universität Berlin und das Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München mehr über die Verbreitung der beiden Krankheiten bei hiesigen Pferden herausfinden. Für ihre Studie sind die Wissenschaftler auf die Mithilfe von Tierärzten angewiesen – am besten deutschlandweit.

„Um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, benötigen wir etwa 215 Pferde mit Krankheitsverdacht und nochmal so viele gesunde Tiere als Kontrollgruppe“, erläutert Katharina Inerle, Doktorandin an der Klinik für Pferde der FU Berlin. „Seit Beginn der Studie Ende Juni 2017 wurden circa 50 Prozent der benötigten Proben untersucht.“ Interessierte Pferdebesitzer müssen zur Teilnahme einen Fragebogen ausfüllen, der behandelnde Tierarzt einen Befundbogen. Dabei geht es darum festzuhalten, um was für ein Pferd es sich handelt, wie alt es ist und welche Symptome aufgetreten sind. Außerdem soll ermittelt werden, inwiefern das Pferd mit Zecken in Berührung kommen konnte.

Zusammen mit Blutproben des kranken und eines weiteren gesunden Pferds aus dem gleichen Stall zum Vergleich werden die Bögen an die FU Berlin geschickt und dort in der Abteilung für Innere Medizin untersucht. Die Untersuchungen auf spezifische Antikörper finden an der LMU München statt. „Sobald eine ausreichende Datenmenge vorliegt, werden die Ergebnisse der Blutuntersuchungen und der Fragebögen abgeglichen, um mögliche Zusammenhänge besser zu verstehen. Außerdem hoffen wir, Gebiete mit hohen Infektionsraten räumlich besser eingrenzen zu können.“ Nach Abschluss der Blutuntersuchungen wird der behandelnde Tierarzt kostenlos über den Befund informiert.

Für Deutschland gibt es bislang keine epidemiologischen Daten zur Häufigkeit der Borreliose und Anaplasmose beim Pferd. Studien aus den Nachbarländern gibt es allerdings bereits: In Dänemark liegt der Anteil der Pferde mit Antikörpern gegen Borreliose bei 29, in Polen bei 26 und in Italien bei 24 Prozent. „Unsere bisherigen Ergebnisse konnten den Borreliose-Verdacht in 20 Prozent der Fälle erhärten. Bei 13 Pferden wurden zudem Antikörper gegen Anaplasmen nachgewiesen“, hält die Expertin fest.

Ob ein Pferd nach einer Infektion mit den Erregern Krankheitssymptome entwickelt, hängt stark von der Immunabwehr ab. Pferdehalter, die ihr Tier vor Borreliose schützen möchten, können mit einer Impfung vorbeugen. Diese schützt vor den hierzulande am weitesten verbreiteten Erregerarten. Gegen Anaplasmose gibt es bisher noch keinen Impfschutz.

Weitere Informationen zur Studie sowie Frage- und Befundbögen stehen unter www.borreliosestudie-pferd.de bereit.

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